Tina Schwarz

Mode mit Lipödem

Aus meiner Sicht ist das ein sehr wichtiger Punkt und vor allem ganz zu Beginn der Diagnose Lip- und/oder Lymphödem definitiv für viele Frauen ein ernstes Thema. Ich würde lügen, wenn das bei mir nicht so gewesen wäre. Natürlich macht FRAU sich Gedanken, wie die Zukunft so aussehen mag, wenn sie tagtäglich eine Kompression tragen muss. 

Als ich die Diagnose bekam, dachte ich immer, dass sind so „sexy“ beigefarbene Strümpfe, wie sie meine, weit über 80-jährige, Omi immer tragen musste, weil sie des Alters wegen mit den Beinen, vor allem Venen, Probleme hatte.

Zum damaligen Zeitpunkt meiner Diagnose hat mir keiner gesagt, dass es diese Kompressions-Versorgungen auch in tollen Farben und mittlerweile sogar Mustern gibt. Manche Hersteller bieten sogar Kompressionen mit Glitzer bzw. Strass-Steinchen an. 
Mir war nicht bekannt, dass es sogar Farbverläufe gibt, dass es möglich war die Kompressions-Versorgung als zweiteilige Anfertigungen zu erhalten, auf Wunsch sogar mit Reisverschluss und dass genau diese Anfertigungen, je nach Körperform, Alter und Ausprägung, eine großartige Erleichterung für viele Betroffene bedeutet.

Meine erste Kompressionsversorgung

Meine erste Kompressions-versorgung

Ich kann mich noch gut an meine erste Kompression erinnern. Sie war  einfach schwarz, ganz schlicht und unspektakulär. Eine flachgestrickte Strumpfhose, die vorne offen war, d.h. meine Zehen durften frei sein. Sah witzig aus und war zunächst echt gewöhnungsbedürftig, nicht nur optisch!

Ganz ehrlich… als ich ins Sanitätshaus kam, um meine erste Versorgung anzuprobieren musste ich lachen, als die liebe Dame, die mich damals vermessen hat, mir die Strumpfhose zeigte. 

Da soll ich reinpassen? Nie im Leben! Die Hose war so groß, dass sie vielleicht einem kleinen Mädchen mit Größe 176 passen könnte, aber doch nicht mir! !

Ich hatte damals übrigens Hosengröße 44/46 und nicht nur sehr umfangreiche Oberschenkel, sondern auch einen echt großen Hintern, der da mit Sicherheit keinen Platz drin finden würde! 

Tja… Pustekuchen, die Dame vom Sanitätshaus verhalf mir tatsächlich in die Strumpfhose hinein. Irgendwie schafften wir es, mit vereinten Kräften, mich in dieses „Höschen“ zu quetschen. Schweissgebadet und total geschafft betrachtete ich mich dann im Spiegel. Der erste Eindruck - erstaunlich gut! Ich fühlte mich echt wohl, vor allem gut verpackt. 

Ganz nach dem Motto: „Sitzt, passt, nichts wackelt und nichts hat mehr Luft!“ wurde ich dann erst einmal nach Hause entlassen.

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Der erste Tag: die Kompression und ich - ein Kampf!

Der nächste Morgen und der erste Gedanke: „Da muss ich dann heute wohl alleine rein“. 

Ja, ich hatte echt Mühe und ich musste tatsächlich hin und wieder Pausen machen. Das war echt ganz schön anstrengend alleine. Vor allem total ungewohnt für die Finger, denn sonst mussten die nie so schwer ziehen und waren nie solchen Widerständen ausgesetzt. 

Alles jammern und schimpfen brachte nichts, ich musste weiter ziehen und Stück für Stück schaffte ich es die Versorgung an die richtigen Stellen zu ziehen. 

Gefühlt habe ich eine halbe Ewigkeit gebraucht für die ersten Male. Mit der Zeit wurden meine Finger kräftiger und dank Handschuhe und einer gewissen Zentimeter-für-Zentimeter-Arbeit, hatte ich den Bogen bald raus und wurde immer schneller und besser. 

Zumindest gelang es mir in der kühlen Jahreszeit recht gut. Im Sommer war das ganze anstrengender, denn sobald die Haut anfing zu schwitzen oder feucht war, so auch direkt nach dem Duschen, war es ein unglaublicher Aufwand, sie an Ort und Stelle zu bewegen. Alles klebte… Ich wusste, den Sommer werde ich verfluchen. Das wird zur Herausforderung werden.

So schlimm wurde es dann Gott sei Dank doch nicht, im Laufe der Jahre habe ich auch hier so meine Mittel und Wege gefunden, die mir sehr gut helfen.

Zum einen nicht zu spät aufstehen, denn wenn es draußen noch kühl ist, dann schwitzt man nicht so schnell und wenn es dann doch mal so ist, dass es morgens schon recht schwül ist, dann werfe ich den großen Ventilator an und stelle mich direkt vor ihn. Ich versuche mir nicht zusätzlich noch Zeitdruck oder Stress zu machen und das klappt dann eigentlich immer relativ gut - auch im Sommer!

Meine erste Reha und die Diagnose zusätzlich an den Armen

Ich muss gestehen, ich war nie so wirklich modebewusst aber ein bisschen zusammenpassen sollte es ja schon, oder wie siehst du das? Am Anfang schämte ich mich, ich wollte nicht, dass jemand sah, dass ich eine medizinische Strumpfhose trug und schon gar nicht, dass die vorne offen war… Was die Leute da nur denken?! 


Na ja und da ich ja zum Anfang meiner Lipödem-Zeit einige Kilos zu viel mit mir rumschleppte, wollte ich auch immer so wenig wie möglich auffallen. Ich trug also zu Beginn immer brav meine Jeanshose über der Kompression. Das ging echt lange gut aber der erste Sommer war so heiss, wie noch nie. Dennoch gab es für mich damals keine andere Option. 

Im Herbst war ich dann auf Reha und bekam die Diagnose auch noch an den Armen. Im Klartext hieß das, dass ich die Kompression künftig auch an den Armen tragen sollte. Tja, verstecken war da nun etwas schwieriger. 

Die Reha und auch die Menschen, die ich dort kennenlernen durften, machten mir Mut und ich bekam mehr und mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Ich wurde regelrecht neugierig aber wollte es dennoch nicht gleich übertreiben und wartete den ersten Winter noch ab. Gleichzeitig schwor ich mir, dass ich es im nächsten Frühjahr anders machen werde und ja ich brauchte lange, ich brauchte tatsächlich den Winter, um mich mit dem Gedanken an einen Rock oder ähnliches anzufreunden.

Was änderte sich nach der Diagnose im ersten Jahr?

Viel! Unglaublich viel! Vor allem die Reha hat mir sehr viel gebracht. Ich konnte mich austauschen und sah Patienten, die weitaus schlimmer betroffen waren als ich, aber auch welche, die es kaum sichtbar hatten. 

Ich musste feststellen, dass die reine Optik gar nichts über die Krankheit aussagt. Denn jeder empfindet die Schmerzen anders und für jede Person ist es auch psychisch eine andere Belastung. 

Fazit: man kann bei Lip-/Lymphödem niemals nach dem Aussehen urteilen!

Eines hat sich auch extrem verändert, ich konnte durch die Kompression wieder vermehrt Sport machen und habe zugleich eine Ernährungsumstellung in Angriff genommen und so innerhalb gut ca. 7 Monate 22 Kilo abnehmen. 

Von der ersten offiziellen Diagnose bis dahin waren es auch schon ein paar Kilo und so konnte ich gesamthaft gut 35 Kilo reduzieren. Obwohl mir die Ärzte alle gesagt haben, dass ich max. 5 Kilo abnehmen könne. Da hatte ich wohl auch sehr viel „angefuttertes“ Fett an mir. Das kann man nämlich auch mit Lipödem ganz normal loswerden.

Wie und was trage ich zur Kompression?

Aber nochmal zurück zum Ausgangsthema - Mode mit Lipödem. Die Frage aller Fragen gerade für uns Frauen - was ziehe ich an, vor allem was ziehe ich zusammen mit der Kompression an?

Mit der Gewichtsreduktion stieg mein Selbstbewusstsein um ein Vielfaches und mir wurde klar, dass ich die Krankheit nicht loswerden würde. Ich muss mich damit abfinden, ob ich nun will oder nicht und so kaufte ich tatsächlich gut 1,5 Jahre nach der Diagnose meinen ersten Rock. Gott was war ich stolz und nachdem alle im Bekanntenkreis und Umfeld sagten, dass ich so was gut anziehen kann und die Kompression überhaupt nicht auffällt, folgten weitere Röcke, kurze Hosen und sogar Kleider. 

Du siehst also, auch mit dieser Krankheit und auch mit Kompression gibt es keinen Grund sich zu verstecken. Selbst, wenn du vielleicht noch zusätzlich etwas mehr Gewicht mit dir herumträgst, darfst und sollst du dich dich trauen Röcke zu tragen. 

Warum denn auch nicht? Vielen steht das echt ganz toll und ein weiterer klarer Vorteil für uns Lipödem-Betroffene ist, dass wir uns gerade durch heiße Tage mit Rock, Kleid oder kurzer Hose und lockerem Shirt viel weniger quälen muss. 

Lange Rede - kurzer Sinn​​​​

Trau dich! Geh raus und versteck dich nicht, nur weil du keine perfekten Beine hast. Mal im ernst? Wer hat das denn schon??? Meine Beine sehen ohne Kompression nach wie vor schlimm aus, an manchen Tagen sind die Schmerzen mehr und an manchen weniger. Das Lipödem ist auch nach der Abnahme geblieben.
Ich trage die Kompression sehr, sehr gerne, denn damit sehen meine Beine und Arme einfach immer glatt und straff aus. Keiner weiss, wie es unter der Strumpfhose und den Armstulpen aussieht und so fällt es mir sehr viel leichter mal was luftigeres in der Öffentlichkeit zu tragen. Ohne die Kompression würde ich das Haus wahrscheinlich niemals verlassen, nicht nur wegen der Optik, vielmehr auch wegen der Schmerzen, die ich mit der Kompression so gut wie gar nicht habe und wenn dann nur sehr viel geringer.
Auch die liebe Caroline Sprott hat die Mode als eine Art Eigentherapie genutzt und ist weitaus mutiger als ich. Wenn du wissen willst, wie ihr Weg von der Diagnose bis zum heutigen Stand war, wie sie sogar das Gesicht vom Kompressions-Hersteller Medi wurde und warum sie sich schon lange nicht mehr versteckt, dann solltest du dir unbedingt unsere YouTube-Folge zum Thema Lipödem und Mode ansehen.

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